11 Fragen - 11 Antworten (Blog Baton)

30.01.2014 16:21

11 Fragen - 11 Antworten: Über das Reisen, das Leben, das Universum und den ganzen Rest ...

Meine charmante Kollegin Lea Deusch ( http://writing-tool.blogspot.de/)  hat mir einen Blog Baton / Staffelstab weitergereicht, mit 11 Fragen rund ums Reisen, die ich hier gerne beantworte. Mit dem Stab renne ich einmal um die ganze Welt - und schließlich ins Ziel. 

1. Würdest du lieber durch die Zeit oder durch das All reisen?

Es ist ein lauer Sommerabend in Rheinhessen. Eine leichte Brise weht über den Teich im Garten. Die Sonne sinkt, die Weinflasche wird zunehmends leerer. Die ersten Sterne zeigen ihr Funkeln. Erst eine Handvoll, ein paar Minuten später immer mehr. Die Dunkelheit zeigt dann die wahre Pracht - Millionen funkelnder Diamanten auf einem schwarzen Samtteppich. Voller unbekannter Wunder, mit riesigen Supernovae, bunten Kometenstürmen, weißen Zwergen und roten Riesen. Entfernungen, die für uns unvorstellbar sind. Und irgendwo rauschen andere Planeten um eine andere Sonne, vielleicht sogar mit Leben drauf, vielleicht mit Dingen, die wir noch nicht einmal erahnen können. Wie klein scheint da unsere Welt zu sein, wie groß aber die Sehnsucht nach dem, was wir nie sehen können, wohl auch nie sehen werden. Von Sonnensystem zu Sonnensystem hüpfen. Die Unendlichkeit des Universums ausloten. 

Was ist da schon eine Zeitreise in die kurze Vergangenheit unseres kleinen blauen Planeten? Ein paar tausend Jahre Zivilisation, davor Dinosaurier, Eiszeiten, Vulkane, Chaos. Noch vor wenigen hundert Jahren waberte der Kloakengestank durch die Gassen der Städte, wie schon Patrick Süskind in "Das Parfum" so nett beschrieb. Hunger, Durst, Kriege und die Pest machten sich so breit wie die Religionen. Will ich sehen, wie Jesus brutal ans Kreuz genagelt wurde? Will ich Buddha unterm Bodhi-Baum und Mohamed in der Höhle beim Meditieren begleiten? Will ich sehen, wie die Pharaonen tausende von Menschen zum Bau der Pyramiden trieben? Will ich einem Shakespeare oder Goethe beim Dichten über die Schulter blicken? Die Neugier wäre zweifelsohne da. Aber das unbekannte All übt auf mich die größere Faszination aus - to boldly go where no man has gone before.


2. Was war das Überraschendste, was du auf einer Reise gelernt hast?

San Agustin in Kolumbien: Mehrere hunderte Steinskulpturen stehen hier bei Gräbern und Opferhügeln, rund 1000 Jahre alt. Im Allgemeinen interpretiert man die Darstellungen heute als Dämonen, mythische Tiere oder Götter. Doch unser Guide weist uns bei einigen Skulpturen auf Merkwürdigkeiten hin: Eine sieht aus wie ein Gorilla, eine andere wie ein Elefant, noch eine sieht exakt so aus wie eine Darstellung des ägyptischen Gottes Horus. Doch vor über 1000 Jahren gab es keine Gorillas oder Elefanten in Südamerika. Gab es etwa schon vor Kolumbus einen Austausch zwischen den Kontinenten? Je mehr man reist und sich mit den Gemeinsamkeiten von verschiedenen Kulturen auseinandersetzt, umso erstaunlicher wirken die Gemeinsamkeiten. Nicht nur in San Agustin wird man stutzig. Denn wieso entstanden überall auf der Welt Pyramiden? Es gibt welche in Ägypten (z.b. Gizeh), in China (z.B. bei Xi'an), in Mexiko (z.B. Teotihuacan), in den USA (Cahokia) und noch in vielen anderen Ländern. Das Überraschendste am Reisen sind die immer neuen Fragen, die sich unterwegs auftun. Und selbst wenn einige Fragen beantwortet werden, kommen immer mehr dazu.

San Agustin in Kolumbien. Foto: Wolfgang Bürkle


3. Gibt es einen Ort, zu dem du mehr als zweimal gereist bist?

Da gibt es in der Tat welche. So war ich etwa drei Mal innerhalb von zwei Jahren in Sharm el Sheikh in Ägypten - und als Kind mehrere Male (ich weiß gar nicht mehr wie oft) in Courchevel zum Skifahren. Und wenn man einige Zeltlager als Reise bezeichnet, kamen da schon mehrere Zeltplätze in Deutschland in Betracht. Letztendlich ist es immer interessant, einen Ort mehrfach zu besuchen, vor allem wenn zwischen den Reisen eine längere Zeit liegt. Alleine wie sich Sharm el Sheikh zwischen meinen Besuchen entwickelt hatte, war hochinteressant: Aus dem einst eher verschlafenen Old Market wurde ruckzuck ein lebhaftes Touristenzentrum. Immer mehr Hotels und Läden entstanden, es wurde immer trubeliger mit immer mehr Touristen.  


4. Welcher Ort, den du bereist hast, würde sich dazu eignen, dort hinzuziehen?

Was ist der perfekte Ort zum Leben? Diese Frage begleitet mich oft auf meinen Reisen. Leider war ich bislang mit dieser Suche erfolglos: Entweder es war zu warm, zu kalt, zu regnerisch, oder es kamen andere Aspekte hinzu, die etwas von der Perfektion herausnahmen. Denn Schönheit alleine reicht wie so oft im Leben nicht. Schließlich sollten auch die Infrastruktur und das soziale Umfeld stimmen. Deswegen ist es auf und an den Tafelbergen von Venezuela zwar wunderschön - aber so ein abgeschiedenes Leben möchte ich nicht. Die meisten Großstädte fallen für mich raus, zu laut (Rom), zu hektisch (New York), zu viel Smog (Hongkong, Neu Delhi). Die Menschen drumherum sollten nett sein, die Gegend sicher, ein Job machbar, die Sprache keine große Hürde. Es sollte Wein geben. Ist klar, wenn man in Rheinhessen aufwächst, ist die Messlatte hoch. Dementsprechend sollte ich mal den Süden Frankreichs, Chile und Südafrika erkunden. Vielleicht verbirgt sich dort das Traumziel. Bis dahin sind meine Favoriten: Cartagena in Kolumbien (ziemlich entspannte Großstadt, gutes Essen, gutes Trinken, grandiose Sonnenuntergänge vom Café del Mar), Trinidad auf Kuba (noch entspannter, abends Musik auf den Gassen, immer ein Glas Mojito in der Hand) und Brügge in Belgien (Bier, Gulasch, Bier, Grachten, Bier).

Essen in Brügge. Foto: Wolfgang Bürkle


5. Welches Essen/Trinken schmeckt nur im Urlaub gut?

Es gibt immer einige Dinge, die ich nur im Urlaub konsumiere. In Venezuela etwa kamen wir auf dem Weg zum Salto Angel an einem Termitenhügel vorbei. Unser Guide strich ein wenig von der Erde darauf ab, bis die ersten Tierchen heraus krabbelten. Er nahm einige davon und steckte sie sich in den Mund. Ich tat es ihm nach - der Geschmack lag irgendwo zwischen Petersilie und Pfefferminz, war also keinesfalls übel. Und satt wird man davon auch nicht. Deutsche Termiten würde ich zudem wohl nicht probieren wollen. Ebenfalls gut in Erinnerung geblieben ist mir das exzessive Teetrinken in arabischen Ländern. In Marokko, Jordanien und Tunesien war es der süße Pfefferminz-Tee, in Ägypten der Zimt- und Karkadeh-Tee. Eigentlich bin ich kein großer Teetrinker - aber in diesen Ländern gehört das einfach dazu. Viele lokale Spezialitäten haben es mir aber angetan, die ich hier zwar auch Essen würde, aber ohne das das Urlaubsfeeling dabei rüberkommt: Amok in Kambodscha, mit Schwein gefüllter Tintenfisch in Vietnam, Plow in Usbekistan oder auch Pabellon Criollo in Venezuela


6. Was ist der Geschmack des Reisens?


Eine lustige Frage, die quasi an die vorherige anschließt. Das gustatorische Wahrnehmen einer (Flug-)Reise beginnt bei mir mit dem überwürzten Essen im Flugzeug - mal pampig-glitschig, mal körnig-brockig, aber selten ein Hochgenuss. Manche Reisen mit dem Auto beginnen mit dem Geschmack des Benzins an der Tankstelle. Auch jedes Land bietet einen anderen Geschmack: Im Oman durchaus sandig (die Wüste ...), im Ägypten gelegentlich würzig (die Gewürze), in Namibia oft fleischig (das Biltong). Und diese unterschiedlichen Geschmäcker zu finden, machen mitunter den Reiz des Reisens aus - quasi eine Sucht nach neuen fremden Geschmäckern.


7. Hast du Mitleid mit Menschen, die nicht am Reisen interessiert sind?


Es gibt ja den zu Recht viel zitierten Spruch, der Aurelius Augustinus zugeschrieben wird: "Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon." Und damit hat er recht. Denn wer nie reist, kann auch seinen Horizont nur in sehr begrenztem Umfang erweitern. Das ist wie bei Platons Höhlengleichnis: Wenn der bislang dort Gefangene einmal die Sonne erblickt hat, will er nie mehr in die trübe Höhle zurück - auch wenn das bei den anderen mitunter auf Unverständnis und Ablehnung stößt. Das Mitleid für diese Höhlenbewohner allerdings hält sich in Grenzen, schließlich ist jeder seines Glückes Schmied. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er aus seiner Höhle herausschauen will, ob er dafür Zeit und Geld investieren oder auch den Mut aufbringen will. Noch angemerkt: Viele können nicht reisen, obwohl sie es gerne würden. Ihnen fehlen die Ressourcen Zeit und Geld. Sie sind in der Höhle gefangen und können sich nicht befreien, so sehr sie an den Ketten zerren. Das Mitleid für diese Höhlenbewohner ist größer.

 

8. Welche Verbesserungen würdest du erfinden wollen, um Reisen einfacher zu machen?


Wir haben das Privileg zu reisen. Wir können uns einen Reisepass leisten, wir haben Fahrzeuge, um zu reisen, wir haben Zeit und Geld. Doch trotz dieses Privilegs denke ich ganz eigennützig: Schafft die mitunter sehr komplizierten Visa-Verfahren ab. Ein Visa-on-Arrival mit Reisepass am Ankunftsflughafen kann ich gerne noch nachvollziehen. Aber ein wochenlanges Prozedere vorher, wo man seinen Pass an die Botschaft senden muss, dazu 20 Kopien von allem Möglichen, ist einfach übertrieben. Wieso muss eine Botschaft wissen, was und wo meine Vorfahren und ich arbeiteten? Wozu werden drei Durchschläge vom Visa-Antrag mit Passfoto und Beglaubigung des Reiseveranstalters im Zielland benötigt? Wieso will Indien ein eigenes Passfoto-Format? Die Bürokratie ist mitunter grauenvoll - hier ein bisschen mehr Einfachheit, das wäre schön.    

 

9. Das schönste Foto, das du bislang geschossen hast?


Es ist natürlich sehr schwer, hier eines auszuwählen. Spontan fällt mir eine Serie von Foto aus Kambodscha ein - der Mönch in den Ruinen von Angkor Wat. Ich habe noch mehrere Fotomotive von ihm, wie er da so allein durch den Bayon-Tempel gelaufen ist, immer wieder stehen blieb oder sich hinsetzte. Es schien, als wolle er die Energie in den Ruinen spüren. Und wie er in dem Türrahmen stand, mit seinem orangenen Umhang, und das Licht ihn anleuchtete - das gefällt mir immer wieder gut. Hier exemplarisch noch ein Bild - aber das schönste Bild und die Geschichte dazu gibt es hier: http://www.wbuerkle.de/news/kambodscha-angkor-war/ 

Ein Mönch in Angkor Wat, Kambodscha. Foto: Wolfgang Bürkle

10. Der größte Fehler, den du je auf einer Reise gemacht hast?

Ich würde ja zuallererst sagen, dass ich nie Fehler mache. Und ein großer Fehler fällt mir auch überhaupt nicht ein. Okay, ehrlich, an kleinere Fehler kann ich mich doch erinnern: etwa, dass ich exotische Kleidungsstücke gekauft habe, die ich dann nie angezogen habe. Oder dass ich Dinge gegessen habe, die vielleicht nicht ganz so optimal waren - vor allem für die Verdauung. Es war nicht schön, in Medellin in Kolumbien mit stechenden Bauchschmerzen ins Krankenhaus zu gehen, weil ich mir irgendwo ein komisches Darmbakterium eingefangen hatte. Vermutlich war es das Wasser aus dem Wasserhahn, der mir das eingebrockt hatte. Seitdem achte ich in vielen Ländern darauf, nicht allzu leichtsinnig mit dem Leitungswasser umzugehen. 

 

11. Wie entscheidest du, wo die nächste Reise hingeht?

Es sollte ein Land sein, dass nicht in der unmittelbaren Nähe des zuletzt bereisten liegt. Es sollte mit meinem Zeitplan zusammenpassen. Es sollte nicht allzu teuer oder allzu extrem sein. Dann passt das schon. Meistens blättere ich einfach in Katalogen und lasse mich inspirieren. Die Liste der zu besuchenden Länder ist noch lang. 

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