Die 10 verrücktesten Dinge, die ich bislang auf Reisen gegessen habe

31.01.2017 10:56
Um es vorweg zu nehmen: Ich esse nicht alles. Aber ich probiere gerne viele Dinge aus, die in den Ländern, die ich bereise, so auf der alltäglichen Menü-Karte stehen. Den Maulwurf etwa, der mir in Laos angeboten wurde, den habe ich abgelehnt. Auch von bedrohten Tieren im Dschungel lasse ich die Finger weg - im Kamerun waren das unter anderen Affen und Schuppentiere. Dennoch habe ich in den vergangenen Jahren viele "Köstlichkeiten" probiert, die auf einer typischen deutschen Restaurant-Speisekarte kaum zu finden sind. Hier meine "Top Ten" der verrücktesten Dinge, die ich bislang auf Reisen gegessen habe:  
Meerschweinchen-Essen in Peru. Foto: Wolfgang Bürkle
 
10. Grillen in Oaxaca, Mexiko
Eimerweise werden in Mexiko Grillen in verschiedenen Geschmacksrichtungen verkauft: Von Natur über Salzig bis hin zu Chili-Aroma. Ich habe mir natürlich ein paar kleine Beutelchen besorgt, um alle mal durchzuprobieren. Zugegeben, in Deutschland gibt es Grillen mittlerweile auch, aber hier sind sie noch vergleichsweise teuer. Geschmacklich sind sie auch nichts besonderes, eben knusprig und die stacheligen Beine nerven ein bisschen beim Kauen. Ein kleiner Snack für Zwischendurch, total in Ordnung - und vielleicht sogar die Zukunft, wenn die Mini-Salami immer unbeliebter wird. 

9. Haggis in Schottland
Irgendwie ist um dieses schottische Nationalgericht ein Hype entstanden. Schon als ich an der Schule die "Address to a Haggis" von Robert Burns lernen sollte, dachte ich mir, dass es bestimmt voll eklig sein muss - mit Eingeweiden und so weiter drin. Meinen ersten Haggis aß ich schließlich, gut 15 Jahre nach der Schulzeit, als Beilage zu einer Hühnerbrust im hübschen Stirling, ganz in der Nähe des Castles. Und war regelrecht enttäuscht. Denn der Haggis war kein bisschen eklig, sondern ziemlich lecker - so ein bisschen wie eine Mischung aus Leberwurst und Blutwurst. Fast wie auf einer Wurstplatte zu Hause also. 
 
8. Coca in Peru
Kopfweh, ein leichtes Schwindelgefühl, Schwierigkeiten beim Atmen. An die Höhe in Peru, etwa 4000 Meter am Titicaca-See, musste ich mich erst gewöhnen. Und wie es eben so ist, probiert man da auch die Dinge aus, die einem von Einheimischen empfohlen werden. In diesem Fall eben Coca-Tee, Coca-Blätter oder auch Coca-Bonbons. Geschmacklich waren alle Produkte durchaus erträglich, allein die puren Blätter (mit dem Zusatz von etwas Kalk) haben mich mit ihrer trockenen Faserigkeit etwas genervt. Und zumindest habe ich mir eingebildet, dass der gelegentliche Coca-Tee auch wirklich gegen die Höhenbeschwerden geholfen hat.  
 
Fleischeis in Venezuela. Foto: Wolfgang Bürkle
 
7. Rohrratte in Ghana
Was isst man, wenn es keinen großen Supermarkt in der Nähe gibt, das Stromnetz unzuverlässig ist und ein Kühlschrank nur bei wenigen Leuten im Haus steht? Na das,  was eben draußen herumläuft. In Ghana sind das unter anderem Rohrratten (oder "Grascutter"), die allerdings weniger mit Ratten verwandt sind, als mit Stachelschweinen. Das Fleisch war ein bisschen zäh, relativ viel Fett daran und schwamm in einer würzigen Soße. Dazu gab es leckeren Fufu, einen Brei aus Maniok. Letztendlich schmeckte beides zusammen ein bisschen wie Gulasch mit Kartoffelbrei, von daher ... alles gut.
 
6. Angegorene Stutenmilch in der Mongolei
Stutenmilch bekommt man häufig in der Mongolei angeboten - genau genommen in so ziemlich jeder Jurte. Die Milch ist ein fester Bestandteil der lokalen Küche, nicht zuletzt, weil die weitläufigen Steppen der Mongolei nicht besonders fruchtbar sind. Mit der Milch wird also gekocht und gebraten - und aus ihr werden Süßspeisen gemacht. Leicht fermentiert schmeckt sie ein bisschen wie trockener Federweißer: bizzelnd, trübe, leicht fruchtig. Mehr als ein paar Schlucke konnte ich davon trotzdem nicht trinken.  
 
Stutenmilch in einer Jurte. Foto: Wolfgang Bürkle
 
5. Fleischeis in Venezuela
Die Heladeria Coromoto in Merida gilt als die Eisdiele mit den meisten Eissorten dieser Welt - und steht mit knapp 900 verschiedenen Genüssen im Guinness Buch der Rekorde. Neben Vanille, Schokolade oder Erdbeere gibt es dort auch so kreative Geschmacksrichtungen wie Lachs, Knoblauch oder Schinken-Käse. Ich entschied mich bei meinem Besuch für Kochbanane und Fleischeis - in Kombination war beides sehr schmackhaft, kleine Fleischstückchen in einer wenig süßen, aber hellen Eiscreme. Die Kochbanane auch nicht allzu süß. Ein netter Snack - und wahrscheinlich sogar "gesünder" als die dicken Sahne-Eissorten.
 
4. Meerschweinchen in Peru
Zweimal habe ich in Peru Meerschweinchen gegessen - und beide Male war es nicht so supertoll. Denn viel dran ist an den putzigen Tierchen, die komplett mit Kopf serviert werden, nicht. An den Beinen konnte ich ein bisschen Fleisch rausholen und aus dem Rücken auch. Schmecken tun sie zudem nicht anders, als ein muffiges, dürres Kaninchen. So ganz den Hype, den einige Backpacker da drum machen, kann ich nicht verstehen. Da nage ich lieber Chicken Wings ab.   
 
Schwalben in Laos. Foto: Wolfgang Bürkle
 
3. Lebende Termiten in Venezuela
Ich stiefelte mit meinem Guide irgendwo in der Gran Sabana in Venezuela umher - auf dem Weg zum Salto Angel. Irgendwann blieb er an einem grauen Termitenhügel stehen und grinste uns an. Dann wischte er mit einer Hand ein paar Zentimeter Erde am oberen Teil des Hügels weg und klopfte kurz darauf. Sofort kletterten ein paar blassgrüne Termiten heraus, der Guide schnappte sich welche und steckte sie sich in den Mund. Etwas zögernd tat ich es ihm gleich - schnell kauend natürlich, bevor sie wieder rauskrabbeln konnten. Der Geschmack erinnerte ein wenig an Petersilie und Pfefferminze. Nicht mein Fall. Da aß ich lieber den Honig am Abend, in dem noch die Leichen der Bienen schwammen. 
 
2. Schwalben in Laos
Mein Guide sagte: "Die Laoten essen Schwalben beim Fernsehschauen, so wie ihr Chips esst." Ja, echte Schwalben und komplett, mit Flügel, Füßen und Schädel. Ich ließ mich drauf ein - in der Küche unseres Hotels in Phonsavan wurden dann ein Dutzend Schwalben gegrillt. Am Ende sahen sie wie verformte schwarze Chicken Wings aus. Ich biss herein, knackte mit den Zähnen den winzigen Schädel und begann zu kauen. Es schmeckte ein wenig nach Leber, ein wenig nach Grillaroma, ein wenig nach Chicken Wings - aber nicht wirklich gut. Eine Schwalbe reichte mir, der Guide freute sich über den Rest.
 
Maden in Ecuador. Foto: Wolfgang Bürkle
 
1. Chontacuro-Maden in Ecuador
Ich halte ein Blatt in der Hand - darauf liegen ein Stückchen Maniok und eine fette Made. Don Mathildo, mein ecuadorianischer Guide, lächelt - und deutet an, dass die geröstete Made sehr gut schmeckt. Na gut, ich nehme das Ding, das so groß wie ein Lippenstift ist, und beiße erst den Kopf ab. Knusprig, leicht nussig. Dann den Körper, irgendwie ein bisschen wie fettiger Speck und Eigelb. "Curo" heißt auf Kichwa Made und "Chonta" nennt sich die Palme, in der sich die dicken Dinger, die sich irgendwann zu einem schwarzen Käfer entwickeln können, wohl fühlen. Gibt definitiv schlechteres Essen. Die Einbildung aber, dass die Made irgendwie eklig ist, spukt trotzdem im Kopf herum.
 
Foto: Wolfgang Bürkle
 

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