Die schönsten Brüste von Sri Lanka - Bei den Wolkenmädchen in Sigiriya

20.01.2016 11:42

Brüste. Große Brüste. Schlanke, schöne Frauen mit großen Brüsten. Irgendwie werde ich dieses Bild vor Augen nicht los: Ein König, der in einem großen Pool vor sich hinlungert und, während sich vor ihm eine atemberaubende Landschaft ausbreitet, von unzähligen schönen Frauen mit großen Brüsten umgeben ist. Wieso ich dieses Bild in meinem Kopf habe? Ich stehe auf dem Sigiriya-Felsen in Sri Lanka, einem beeindruckenden Monolithen, einsam in einer weiten Ebene, auf dem König Kassapa vor fast 1600 Jahren eine Festung errichten ließ. Und an einem Felsüberhang ließ er etwa 500 barbusige Frauen zeichnen, Wolkenmädchen genannt. Eine Erotik-Galerie sozusagen. Warum Kassapa (manchmal auch Kashyapa) die Mädchen malen ließ? Nun, er hatte viele Kurtisanen. Und er wollte sich wie ein Gott über den Wolken fühlen: Er ließ den riesigen Sigiriya-Felsen weiß tünchen und die halbnackten Frauen darauf malen, die als himmliche Nymphen symbolische Blumen auf seine Untertanen regnen lassen sollten. Ein größenwahnsinniger Playboy? Vielleicht. Nach 1600 Jahren überleben die Wolkenmädchen, die wohl nach den Haremsdamen des Königs gemalt wurden, kunstvoll als schöne Botschafterinnen einer geheimnisvollen Vergangenheit. Ihre Namen sind heute genauso unbekannt wie ihre Schöpfer.

Der Sigiriya-Felsen in Sri-Lanka. Foto: Wolfgang Bürkle

Um zu ihnen zu kommen, muss ich eine wackelige Wendeltreppe heraufkraxeln, die irgendwie schon bald aus ihrer Verankerung zu reißen droht. Ich bin extra früh am Tag aufgebrochen, da ist die neugierige Menschenschlange noch überschaubar. Stufe um Stufe geht es im Käfig der Treppe nach oben, auf eine wackelige Plattform hinter einer Plane. Da sind sie schon, die letzen Überlebenden der Barbusigen-Armee. Heute sind von den himmlichen Nymphen nur noch etwa 20 erhalten, alle anderen sind durch den Zahn der Zeit und von der tropischen Feuchtigkeit dem Vergessen anheim gefallen. In kräftigen Farben prangen die Letzten ihrer Art am Fels, unter dem schützenden Felsüberhang. 
 
Die Wolkenmädchen am Sigiriya-Felsen in Sri-Lanka. Foto: Wolfgang Bürkle
 
Das Licht ist trüb, das Blitzen der Kameras verboten. Doch jeder Besucher wird verzaubert. Die Schönheit der Gesichter und Gestalten, die teils indische, manchmal auch afrikanische Anmutung und die üppigen Geschmeide betören nicht weniger als die erotische Ausstrahlung der mitunter etwas provokativ lächelnden Maiden. Von den Hüften abwärts sind die Damen, vielleicht Königinnen und Kurtisanen, vielleicht Prinzessinnen und Dienerinnen, in Wolken gehüllt, geheimnisvoll, göttlich. Doch trotz ihrer üppigen Proportionen sind sie keine billigen Sex-Objekte, sondern eine Ode an die Schönheit, die den göttlichen Anspruch ihres Königs verdeutlichen sollten. Gelegentlich werden ihre Konturen nachgezeichnet; da ist die eine oder andere Brustwarze auch schon mal etwas höher gerutscht, um dem modernen Zeitgeist eher zu entsprechen. Dennoch: In einem eher prüden Land diese einzigartigen Zeichnungen zu sehen, ist, wie etwas Verbotenes zu erleben.
 
Die Wolkenmädchen am Sigiriya-Felsen in Sri-Lanka. Foto: Wolfgang Bürkle
 
Der Besuch bei den Wolkenmädchen dauert nicht lange. Schließlich sind noch viele Stufen zu bewältigen, um zum Herrschaftszentrum des Königs zu gelangen, auf dem Gipfel des knapp 200 Meter hohen Sigiriya-Felsens. Und König Kassapa war gewiss kein Freund von Traurigkeit. Er ließ (laut diversen Legenden) seinen Vater Datusena bei lebendigem Leib einmauern, trieb seinen Bruder Moggallana ins Exil und ließ auf und um den Felsen eine prächtige Stadt bauen, mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem, mit Lustgärten und einem riesigen steinernen Löwenkopf als Eingang. Die Stahltreppe, die heute zwischen den noch erhaltenen Löwenpranken nach oben führt, ist allerdings nur ein wackeliges Metallding. Für Prunk reicht es nicht mehr. Und viele neugierige Menschen drängen sich nun den Weg hoch, um die Reste der sagenumwobenen "Wolkenstadt" zu erkunden. 
 
Die Aussicht am höchsten Punkt verschlägt mir die Sprache. Eine grandiose 360-Grad-Rundumsicht, nebelverschleierte Berge am Horizont, riesige Seerosenteiche, weite Reisfelder und Baumhaine in der Ebene. Von der einstigen Festung, an der sich tausende von Arbeitssklaven abmühten, sind noch einige Grundmauern vorhanden, dazu Pools, Bänke und Nischen direkt in den Fels gehauen. Ein schönes Plätzchen, da hatte der König ein gutes Auge. Damals war es ein prunkvoller Palast auf einem unerstürmbaren Felsen - strategisch genial. Vielleicht träumte Kassapa, der wie ein Gott in seinem Reichtum lebte, in seiner Herrschsucht beim Blick in die Wolken davon, dass dort noch mehr hübsche Frauen auf ihn warten. Ein unersättlicher Mann, der der weiblichen Schönheit mit den heute weltberühmten Fresken ein Denkmal setzte. 
 
Auf dem Sigiriya-Felsen in Sri Lanka. Foto: Wolfgang Bürkle
 
Über Kassapas Tod gibt es mehrere Theorien: Einige Überlieferungen sprechen davon, dass einer seiner Frauen, vielleicht sogar die Königin selbst, ihn vergiftete. Das wäre natürlich ein besonders zynischer Abgang - ermordet von der Schönheit, die er so pries. Andere Geschichten berichten, dass er im Kampf gegen seinen Bruder starb: Kassapa tötete sich selbst mit seiner eigenen Klinge, eine Niederlage war nicht mehr abwendbar. 18 Jahre lang herrschte er über ein kleines Paradies inmitten von Sri Lanka. Doch der größte Reichtum konnte ihn nicht retten. Vielleicht tröstete den König über den Wolken die Hoffnung, im Jenseits seinen Wolkenmädchen zu begegnen, seinen himmlischen Kurtisanen.  
   
Auf dem Sigiriya-Felsen in Sri Lanka. Foto: Wolfgang Bürkle
 
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