Bomben auf Tonkrüge - Bei Phonsavan in Laos

17.09.2013 13:07

Die Ebene der Tonkrüge bei Phonsavan.

Bloß nicht den vorgegebenen Weg verlassen. Bloß nicht hinter die weiß-roten Markierungssteine treten. Sonst könnte es Krachen. Also explodieren. Im Gebiet um die laotische Stadt Phonsavan mit ihrer Ebene der Tonkrüge liegen noch Landminen und andere explosive Geschosse in der Erde verborgen. Denn im Vietnamkrieg ging es hier heiß her - und zwar eben nicht nur in Vietnam, sondern auch im benachbarten Laos. Die südostasiatische Volksrepublik gilt als meist zerbombtes Land der Welt. Über zwei Tonnen Bomben pro Einwohner ließen die Amerikaner auf das Gebiet am und um den Ho-Chi-Minh-Pfad fallen, das zu einem Großteil in Laos liegt. Noch heute befinden sich viele nicht detonierte Kriegsüberbleibsel in der Erde. Und sie sind eine Gefahr - vor allem für Bauern, die die Felder bestellen, oder Kinder, die beim Spielen auf eine Granate stoßen und neugierig damit hantieren.


Deswegen sind einige Organisationen wie die Mines Advisory Group (MAG) vor Ort, um mit modernen Geräten nach den Minen und Granaten zu suchen und diese zu entschärfen - die MAG geht davon aus, dass nach dem Vietnamkrieg 80 Millionen dieser Kampfmittel nicht explodierten und zum größtem Teil noch immer auf und im Boden sind.
Dabei dienen manche Bomben heute schon fast als Souvenir oder Schmuckstück. Im Hotel in Phonsavan stehen etwa alte Metallhüllen als Blumenkübel oder als Lampenschirme herum, einige Granaten und Gewehre hängen an der Wand im Esszimmer. Explosive Kunst sozusagen.

Die Ebene der Tonkrüge bei Phonsavan. Foto: Wolfgang Bürkle

Die weiß-roten Markierungssteine entlang des Weges zeigen, welche Abschnitte von der MAG durchsucht und sicher sind. Weiß ist gut, rot ist schlecht. Denn im weißen Bereich ist die Erde auch unter der Oberfläche von UXOs (Unexploded Ordnance) befreit - jenseits davon wurden nur die sichtbaren "Bombies" entfernt. 

Es ist noch etwas neblig, als wir uns am Morgen auf den Weg zu den berühmten Tonkrügen machen. Diese sind eigentlich gar nicht aus Ton, sondern aus massivem Sandstein, teilweise über zwei Meter hoch und bis zu sechs Tonnen schwer. Sie liegen an mehreren Plätzen gruppiert, so als hätten Riesen sie einfach dort als kleine Vorratskammer stehen oder liegen lassen. Warum sie da liegen ... keiner weiß es. Wer sie dahin getan hat ... keiner weiß es. Archäologen vermuten, dass die tausenden Gefäße Begräbnisurnen eines megalithischen Volkes sind und vor etwa 2000 Jahren ihren Platz fanden.

Vielleicht sind sie ja auch von Außerirdischen da abgeladen worden. Denn als wir im dichten Nebel zur ersten Krugansammlung auf einem kleinen Hügel steigen, ist nicht nur die Stimmung wie bei ETs Landung. Es sind auch verzierte Steine zu sehen, mit außerirdisch wirkenden Mustern, ohne passende Erklärung, was sie bedeuten. Wir schauen uns die riesigen Krüge an, in einigen liegt Müll von früheren Besuchern, in anderen türmen sich braune Blätter, Ungeziefer und Spinnweben. Bei einigen sind Kanten abgebrochen, mitunter auch von den Bombenexplosionen, andere liegen auf der Seite. Der Nebel lichtet sich, wir gehen auf dem sicher markierten Weg zur zweiten kleinen Ansammlung. Die Aussicht wird langsam besser, hier sind neben einigen Krügen noch kleinere Bombenkrater, vielleicht fünf Meter im Durchmesser, sichtbar. Die Krüge können angefasst werden, Fotoapparate klicken, wer sich traut, kraxelt verbotenerweise an einem Steinmonument hoch und stellt sich auf den dicken Rand.

 

 Die Ebene der Tonkrüge bei Phonsavan. Foto: Wolfgang Bürkle


Ein paar Meter weiter, wir stehen immer noch auf einer Anhöhe, weitet sich der Blick und ich sehe ein riesiges Feld voller verstreut liegender Krüge, nicht nur ein oder zwei Dutzend, sondern gleich hunderte. Ich gehe herunter, schlendere zwischen den Monumenten umher und freue mich, dass der Krieg nicht alles zerstört hat. Auch ein paar Kühe kommen langsam näher, die sich von den wenigen Absperrungen um das Gelände nicht aufhalten lassen - und leider auch nicht von den rot-weißen Markierungen. Eine Statistik, wie viele Kühe schon auf einen Blindgänger getappt sind, gibt es nicht. Einen Kuhhirten, der ein Auge auf die wiederkäuende Herde wirft, hingegen schon. 

Ein Weg auf dem Gelände führt zu einer Höhle. Rechts und links sind wieder Bombenkrater, die schon lange mit Gras zugewachsen sind. Auch hier säumen die kleinen rot-weißen Markierungssteine den sicheren Zutritt. Die Höhle soll einst ein Krematorium gewesen sein - mit von Menschenhand geschaffenen Löchern in der Höhlendecke. Viel zu sehen ist hier nicht mehr - außer einer Spendenkasse und aufgestellten Räucherstäbchen. Für eine spirituelle Reinigung mögen diese geeignet sein, für die Beseitigung der UXOs ist anderes Handwerkszeug nötig.    

Besucht im März 2011.

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