Zwischen den steilen Mauern von Valletta, der Hauptstadt Maltas

03.01.2017 11:24

Am Grand Harbour von Valletta, Malta. Foto: Wolfgang Bürkle

Ein lauter Knall donnert über den Grand Harbour von Valletta. Es ist Punkt 12 Uhr und von der Saluting Battery steigt weißer Rauch empor, zieht über das himmelblaue Wasser und löst sich schließlich auf. Der Soldat salutiert und deckt die Kanone wieder zu. Jeden Mittag wird hier, in der Hauptstadt des kleinen Inselstaats Malta, seit 1820 eine der Kanonen zum Salutschuss gefeuert, nach der die Seeleute ursprünglich ihre Chronographen ausrichteten. Heute knallt es nur noch aus traditionellen Gründen. Mit Dutzenden weiteren Schaulustigen habe ich mich an das Geländer der Upper Barrakka Gardens, einer netten Gartenanlage, gestellt, um von oben auf den Schuss zu warten. Die Aussicht ist grandios. Vor mir liegt der große Hafen mit Blick auf die drei Städte Vittoriosa, Senglea und Cospicua, die mittlerweile mit Valletta eine einzige große Metropole bilden. Die Gebäude und Mauern erstrahlen im Sonnenlicht in gelbem Ocker, dem typischen Kalkstein. Rechts neben dem Fort St. Angelo liegen riesige Yachten vor Anker - Schiffe von Prinzen, Magnaten und Bonzen, manche auch mit eigenem Hubschrauber-Landeplatz auf Deck. Dahinter hunderte kleinere Segelschiffe, deren Masten wie Grashalme in den Himmel ragen. Meterdicke Mauern schützen die Hafenanlagen und Städte vor Wind und Wetter - und den Kriegen der letzten Jahrhunderte. 

Am Grand Harbour von Valletta, Malta. Foto: Wolfgang Bürkle

 
Heute zeigt sich die kleinste Hauptstadt eines EU-Staates als nettes Fleckchen, als sympatischer Runway für Touristen und Einheimische. Mit dem öffentlichen Bus bin ich von meinem Hotel im Norden der Insel aus hierher gefahren, am Triton-Brunnen ausgestiegen und habe nach ein paar Metern schon das Parlamentsgebäude erreicht. Kirchen, Shops, Museen und Restaurants drängen sich hier dicht aneinander. In der alten Ritterstadt, die heutzutage oft als Filmkulisse dient, floriert das Leben. Ich gehe durch die Republic Street, schaue mir die prunkvolle St. John's Co-Cathedral mit Gemälden von Caravaggio an, dann die alte Waffenkammer des Palastes. Überall wird das Andenken an die Malteser und die vielen Kriege, in die Malta verwickelt war, bewahrt. Nordöstlich hinter dem Palace Square endet die Fußgängerzone, ich komme an hohen Wohnhäusern und dicht geparkten Autos vorbei. Hier hängt noch die Wäsche draußen, an den unzähligen bunten Balkonen, die ein Markenzeichen von Valletta sind. Alles hier wirkt rauer und einfacher - ein typisches schachbrettartiges Wohnviertel eben, wären da nicht die kunstvoll gehauenen Heiligen an manchen Straßenecken. Nebenstraßen führen zu den Häfen auf beiden Seiten hinunter, wie die Rippen eines Giganten streben sie rechts und links von der Wirbelsäule Republic Street hinab in Richtung Wasser. 
 
In Valletta, Malta. Foto: Wolfgang Bürkle
 
Das Fort St. Elmo steht noch auf meiner To-Do-Liste, die mächtige Festung an der Spitze der Halbinsel. Kriegsgeschichte hautnah hinter dicken Mauern, definitiv kein Ort zum Lachen. Doch das Fort verdeutlicht, warum die Insel ein wahrer Schmelztiegel diverser Kulturen ist. Römer, Osmanen, Araber, Franzosen, Engländer - viele Völker haben ihre Spuren und Leichen hinterlassen. Nur wenige Besucher sind im Fort, zumeist ältere Herren, die ein Faible für die ausgestellten historischen Kampfmittel zu haben scheinen. Mich interessieren die Panzer, Dolche und blutbefleckten Rüstungen nur so am Rande, eher noch der Ausblick. Auf dem dunkelblauen Wasser des Mittelmeeres ziehen langsam Schiffe vorbei, einige kleinere drehen ab und steuern den Hafen an. Die immer wieder faszinierenden steilen Mauern von Valletta sind von hier aus auch prächtig zu sehen: Die Häuser türmen sich verwinkelt nach oben, denn wo das Wasser der Bebauung eine natürliche Grenze aufzeigt, haben die Einheimischen in Richtung Himmel viele Möglichkeiten des Wachstums ausprobiert.
 
Am Grand Harbour von Valletta, Malta. Foto: Wolfgang Bürkle
 
Das Schöne am autofreien Zentrum von Valletta - seit 1980 Unesco-Welterbe, im Jahr 2018 dann europäische Kulturhauptstadt - ist die Abwesenheit von riesigen Bürokomplexen, von grellen Leuchtreklamen und breiten Straßen. Eine gänzlich untypische Hauptstadt, irgendwie ohne Business-Hektik. Diese spüre ich erst am Ende des Tages wieder, im dichten Verkehr, der sich durch die Vororte und Ausfallstraßen drängt. Die dicken Mauern im Zentrum hingegen strahlen jahrhundertealte Ruhe aus. Ich schlendere an kleinen Cafés vorbei, an roten Telefonzellen, die den Straßen einen zusätzlichen Farbtupfer verleihen, an Souvenirläden, die mir kleine Ritterfiguren verkaufen wollen. Natürlich wird gerade an vielen Ecken renoviert und neu gebaut, um 2018 in vollem Glanz zu erstrahlen. Gerüste und Absperrungen drängen sich dicht an dicht in den engen Gassen. Am Abend füllen sich die Restaurants, orangefarbene Lichter beleuchten die Mauern, zwischen denen es merklich leerer wird. Und in den kleinen Gärten inmitten der monumentalen Stadt genießen die Verliebten und Einsamen die Ruhe und Romantik der letzten Sonnenstrahlen, der blauen Stunde und der hereinbrechenden Nacht.  
Am Grand Harbour von Valletta, Malta. Foto: Wolfgang Bürkle
 
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Am Grand Harbour von Valletta, Malta. Foto: Wolfgang Bürkle
 

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