Gedränge bei BTS-Comeback: Unverhofft auf dem Arirang-Konzert in Seoul

22.04.2026 11:15
Beim BTS-Arirang-Konzert in Seoul, Korea. Foto: wanderwithwolf
 
Es war wohl einfach ein glücklicher Zufall. Ich hatte bis zur Hälfte meiner dreiwöchigen Südkorea-Reise im März überhaupt keine Ahnung davon, dass die sehr populäre K-Pop-Band "BTS" am letzten Abend meines Trips ein Live-Konzert in Seoul angesetzt hatte. Also keine zwei Kilometer Luftlinie von meinem Hotel entfernt, kostenlos und draußen. Natürlich muss ich anmerken, dass mir "BTS" zwar irgendwann schon mal untergekommen war, ich aber bislang keine Ahnung vom Ausmaß der Popularität dieser Band hatte. Vor allem nicht in ihrem Heimatland Südkorea, wo sie ja gehypt werden, wie einst die Beatles oder Take That in Europa.
 
Beim BTS-Arirang-Konzert in Seoul, Korea. Foto: wanderwithwolf

Auf jeden Fall bekam ich, als ich noch irgendwo zwischen Jeju und Gochang im Südwesten des Landes war, mit deutlichen Worten von einer Freundin auf Instagram mitgeteilt, dass dieses Konzert was ganz besonderes sei und ich es definitiv nicht verpassen sollte. Als ich dann drei Tage vor dem Konzert wieder in Seoul war, kam ich dann auch schon nicht mehr an dem Merchandise- und Werbehype um "BTS" herum. Überall T-Shirts, Pins, Poster und mehr rund um die sieben Jungs, die ihren Militärdienst ableisten und deswegen mehrere Jahre pausieren mussten. Auf Werbeflächen sah ich überall "Welcome BTS & BTS Army", viel Lila überall (die Farbe der Band), auch viel Rot (die Farbe des neuen Albums "Arirang") - die Beleuchtung von Seoul war schon voll auf dieses Mega-Konzert ausgerichtet. Und dann trudelten weitere Meldungen auf dem Handy ein, von Verkehrsumleitungen wegen des Konzerts, zu News-Pushs und weiteren Artikeln rund um die Band und das musikalische Ereignis.
 
Beim BTS-Arirang-Konzert in Seoul, Korea. Foto: wanderwithwolf
 
Natürlich haderte ich damit, ob ich wirklich dahin gehen wollte. Viele Menschen auf engem Raum, Absperrungen, eine fremde Sprache - irgendwie hatte ich Respekt vor der ganzen Angelegenheit. Am Vorabend des Konzerts, ich war gerade von einem Ausflug zur DMZ nahe der nordkoreanischen Grenze zurück gekommen, spazierte ich dann spontan einfach mal in die Richtung der Bühne, die schon in großen Teilen auf dem Platz vor dem Geongbokgung-Palast aufgebaut war. Wie zu erwarten, war ich nicht der einzige Neugierige. Viele Menschen gingen ebenfalls an und auf der Sejong-daero Straße, wie es eben der Verkehr und die bereits erfolgten Absperrungen noch zuließen. Einige machten Fotos von der Bühne, von den großen Werbeboards an den Häusern, auf denen immer wieder "BTS"-Anzeigen liefen. Auch Fernseh-Teams waren an einigen Ecken aufgestellt, um die Stimmung und auch Stimmen einzufangen. Der eine oder andere Techniker war noch zwischen den Absperrungen zu sehen, dazu natürlich auch jetzt schon einiges an Polizei und Security. Vor dem Gwanghwamun Tor, dem Eingang zum Geongbokgung-Palast, war recht viel los. Nicht zuletzt wohl, weil vereinzelt die Strahler der Arirang-Show getestet wurden und das Tor mal rot und mal weiß anstrahlten.  
 
Beim BTS-Arirang-Konzert in Seoul, Korea. Foto: wanderwithwolf

Dann war schließlich der Tag des Konzerts gekommen. Einen großen Teil des Vormittages verbrachte ich mit Sightseeing im und am Lotte World Tower, einem der höchsten Gebäude der Welt, im populären Stadtteil Gangnam. Nachmittags hörte ich mal in die aktuellen Songs von "Arirang" rein - ja gut, nicht mein Geschmack, aber man kann es sich schon zwischendurch anhören. Und kurz nach 19 Uhr machte ich mich dann doch von meinem Hotel im Stadtteil Myeongdong auf, um zu schauen, wie weit ich überhaupt an die Bühne herankomme. Angesetzt war das "BTS"-Konzert auf 20 Uhr, also hatte ich eine gute Stunde Zeit. In Myeondong selbst waren die üblichen Shopping-Touristen unterwegs, da war erstmal kein großer Unterschied zu einem sonstigen Tag zu spüren. Als ich aber am Wasserlauf Cheonggyecheon ankam, war schon deutlich mehr los, als sonst. Und dann fing das Komplizierte erst an: Die Security-Teams schickten die ankommenden Menschen geradewegs in die andere Richtung, in die ich eigentlich wollte. Also von der Bühne weg, zu einem der gesicherten Eingänge entlang der Sejong-daero Straße. Hm, blöd, dachte ich, also wieder viele Meter zurück, durch andere Straßen, an Polizisten, Gittern und weiteren Menschen vorbei. 
 
Beim BTS-Arirang-Konzert in Seoul, Korea. Foto: wanderwithwolf
 
An den eigentlichen Eingängen waren die Schlangen dann entsprechend lang, auch wegen Metall-Detektoren und weiterer Security. Immerhin rechneten die offiziellen Stellen mit über 250.000 Menschen. Doch es ging recht flott vorwärts und um kurz vor 20 Uhr war ich schließlich in einem der gesicherten Bereiche an der Sejong-daero Straße. Aber von der Bühne war hier überhaupt nichts zu sehen. Dafür überall riesige Leinwände, mehr Absperrungen und viele Menschen. Ich wollte aber eh noch näher ran, denn für eine Bildschirm-Show war ich ja nicht hier. Also bahnte ich mir den Weg weiter vor, sagte einigen Security-Leuten, die mich woanders hin schicken wollten, ich muss da vorne aufs Klo, schlich mich durch Pressebereiche und wieder weiter. Schließlich war ich wieder auf Höhe des Wasserlaufs Cheonggyecheon und konnte sogar noch weiter in die Mitte der Straße laufen, bis ich mich relativ uncharmant genau vor einen Pulk Zuschauer stellte, der bislang von weiteren Security-Leuten hier halbwegs in Schach gehalten wurde. War mir dann auch egal, denn just in diesem Moment startete das "BTS"-Konzert.
 
Beim BTS-Arirang-Konzert in Seoul, Korea. Foto: wanderwithwolf
 
Konnte ich die Bühne sehen? Nicht wirklich, nur wenn ich ganz hoch hüpfte, oder eben auf die dutzenden Bildschirme schaute, auf denen das Konzert live übertragen wurde. Ich starrte auf die Statue von Admiral Yi-Sun-Sin, eine leere, weil abgesperrte Straße, auf Security-Menschen, die hin- und herliefen und weitere Besucher gnadenlos an mir vorbei weiter schickten. Luftlinie mögen es 400 Meter zur Band gewesen sein. Klar, die Musik war überall zu hören, aber ein Party-Feeling kam gewiss nicht auf. Die Menschen hinter mir hatten auch eher vergeblich ihre Handys gezückt, denn zu sehen war ja kaum was. Trotzdem wurde gejubelt und geklatscht. Manche konnten die Lieder imitsingen. Einige tanzten sogar halbherzig oder hüpften etwas zur Musik. Vermutlich hatten Netflix-Zuschauer mehr vom Konzert und von der Band. Und die Hardcore-Fans, die den ganzen Tag angestanden hatten, waren bestimmt auch näher am Bühnen-Geschehen. Aber immerhin kann ich sagen, okay, ich war dabei. Einer von denen, die das "BTS"-Comeback live und vor Ort erlebt haben.
 
Beim BTS-Arirang-Konzert in Seoul, Korea. Foto: wanderwithwolf
 
Apropos Hälfte: Da nach gut 40 Minuten keine Konzert-Stimmung in die Menge um mich kam, ich immer noch auf stumme Admirals-Statue und hektische Sicherheitskräfte blickte, entschloss ich mich, das "BTS"-Konzert frühzeitig zu verlassen. Das ging dann flott und problemlos, wieder am Wasserlauf vorbei, dann nach Myeongdong und zurück ins Hotel. Das bislang größte öffentliche Konzert in Südkorea, das gehypteste Comeback des Jahres, die krasseste Netflix-Übertragung... kann ich also überall einen Haken dransetzen. Und dann zuhause ab und zu vielleicht doch noch etwas mehr in das musikalische Werk von "BTS" eintauchen. 
 
Beim BTS-Arirang-Konzert in Seoul, Korea. Foto: wanderwithwolfBeim BTS-Arirang-Konzert in Seoul, Korea. Foto: wanderwithwolf
 
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