Kurs auf das Schiffswrack von Zakynthos: Per Boot zur Navagio-Bucht
22.07.2026 16:40
Die Wellen klatschen gegen den Schiffsbug. Es ruckelt ganz ordentlich gerade in dem kleinen Motorboot mit dem Namen "ΒΑΣΙΛΙΚΗ" (heißt wohl Basilika). Meine Begleiterin vor mir klammert sich am Sitz fest, damit sie nicht zu sehr durchgeschüttelt und in die Luft katapultiert wird. Ich nehme also etwas Tempo heraus, drücke den Gashebel des Bootes etwas nach unten. Das Geruckel wird sanfter, aber hört natürlich nicht ganz auf. Hier auf der Westseite der griechischen Insel Zakynthos ist der Wellengang schon heftiger als auf der Ostseite. Daran muss man sich als Neu-Skipper erst einmal dran gewöhnen und mit dem Gashebel spielen.

Es ist ein wunderbar sonniger Tag wieder hier auf der griechischen Insel Zakynthos, als meine Begleiterin und ich uns entschließen, ein Boot zu mieten. Das geht hier erstaunlich einfach. Wir fahren mit unserem Mietwagen vom Hotel zur Alykanas Marina, sprechen einen jungen Mann neben einem großen Schild an - und wenige Minuten später befinde ich mich am anderen Ende des Hafens vor einer Strandhütte und fülle diverse Unterlagen aus. Dann springen wir auf die "Basilika", ein Skipper erklärt uns das Vorwärts und Rückwärts, Motor, Tank, Anker und alles andere, was man rund um das Boot wissen sollte. Eine kleine Runde durch den Hafenbereich später sind wir auch schon auf uns alleine gestellt. Nur wir zwei, ein flottes Boot und das kristallklare, hellblaue Meer unter tiefblauem Himmel.

Die Ostküste von Zakynthos punktet mit ein paar hübschen Stränden, malerischen Klippen und diversen Siedlungen dazwischen. Unser erstes Ziel ist aber der Strand von Navagio, einer der berühmtesten Strände Griechenlands. Das liegt vor allem an dem Schiffswrack, das dort seit über 40 Jahren vor sich hin rostet. Aber auch an den grandiosen Klippen, die diesen kleinen, hellen Strand umarmen. Schon ein paar Tage zuvor hatten wir uns die Navagio-Bucht von oben angeschaut, gemeinsam mit vielen anderen Besuchern stiefelten wir am Aussichtspunkt entlang. Denn natürlich ist dieser Blick auf das Wrack, die Klippen und das Meer längst zu einem Hotspot für Insta-Fotografen, Influencer und Selbstdarsteller geworden. Leichtsinnige ignorieren da auch schon mal die Absperrungen für das vermeintlich "perfekte" Foto – selbst wenn sie dabei ihr Leben riskieren. Stufen nach unten gibt es nicht.


Ich drücke ein wenig den Gashebel nach oben, will etwas Tempo machen, damit wir zeitnah von Alykanas aus einmal fast die halbe Insel umkurven können. Luftlinie sind es bis zum Navagio-Strand von hier keine 15 Kilometer. Mit dem Boot allerdings dauert es eine gute Stunde. Wir schippern zunächst in nördliche Richtung, vorbei am Örtchen Agios Nikolaus. Hier sind die Wellen noch schön flach, der andere Schiffsverkehr um uns überschaubar. Bei den Blauen Grotten kurz vor der Nordspitze der Insel wird es bereits etwas voller. Da diese Felsbögen und Höhlen zu den Highlights der Küste gehören, tummeln sich entsprechend viele Boote hier. Durch die Lichtbrechung im kristallklaren Wasser leuchtet das Meer in spektakulären Blautönen. Wer sich traut, fährt mit dem Boot zwischen den Steinbögen hindurch.

Wir umrunden das Skinari Kap im Norden – und kaum sind wir auf der Westseite der Insel, nimmt der Wellengang deutllich zu. Das Boot wird zeitweise beträchtlich durchgeschüttelt. Die Klippen werden zusehends beeindruckender, nur gelegentlich unterbrochen von kleinen Buchten und Stränden. Schließlich übernimmt meine Begleiterin das Steuer, das ständige Auf und Ab zerrt an Nerven und Magen. Irgendwann haben wir es geschafft. Hinter der nächsten größeren Klippe liegt eine Handvoll kleiner und größerer Boote vor Anker. Und dann taucht der kleine hellgelbe Strand mit dem rostigen Wrack im Sichtfeld auf.

Vom Boot aus bestaunen wir die "Panagiotis". Wir dümpeln ein wenig in der Bucht herum, machen Fotos und Videos. Von hier unten sieht es aber nicht ganz so spektakulär aus, wie vom Aussichtspunkt oben. Und so richtig Entspannung kommt bei mir auch nicht auf, da immer wieder andere Boote in die Bucht hinein- und hinausfahren. Ich traue unseren Skipper-Skills noch nicht so richtig, befürchte immer wieder eine Kollision oder dass wir zu weit Richtung Klippen driften. Die Wellen schaukeln hier zudem weiter ordentlich, also beschließen wir, den Rückweg anzutreten und eine ruhigere Stelle an der Ostküste zu finden. Zurück scheint es subjektiv etwas schneller zu gehen, vielleicht hat sich der Magen auch schon an das ständige Geruckel der Wellen gewöhnt.

Zurück bei den Blauen Grotten nehmen wir wieder Tempo heraus, fahren ein bisschen näher an die Felsen heran. Aber durch die Felsbögen zu schippern, traue ich mich dennoch nicht. Etwas langsamer geht es dann weiter an der Küste entlang. Schließlich stoppen wir an einem hübschen Punkt zwischen Agios Nikolaus und Alykanas, werfen den Anker aus und lassen den aufregenden Teil des Tages hinter uns. Jetzt beginnt der entspannte Abschnitt – mit glasklarem Wasser, Sonne und wohlverdienter Ruhe. In einer Kühlbox liegen schließlich auch noch kalte Drinks.

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