Plaza de España: Sevillas magischer Ort für Geschichte und Jedi
20.10.2026 12:45Wenn sich die Sommerhitze am Nachmittag wie ein goldener Schleier über Sevilla legt, entfaltet die Plaza de España ihren Zauber. Das Licht tanzt auf dem Wasser des halbkreisförmigen Kanals, zeichnet helle Muster auf die kunstvollen Brücken und lässt die bunten Keramikfliesen in Blau, Gelb und Grün leuchten. Die Schatten der Säulen des Hauptgebäudes wandern langsam über den Boden, während das leise Plätschern der Brunnen die Geräusche der Stadt übertönt. Entflieht man der Hektik rund um Kathedrale und Alcázar, könnte man meinen, die Zeit vergehe hier ein wenig langsamer. Vielleicht liegt es an der Weite des Platzes, vielleicht an der Architektur, die so gar nicht nach einem gewöhnlichen Stadtplatz aussieht.

Das ausladende Bauwerk, das sich in einem weiten Halbkreis öffnet, wirkt auf mich wie eine Umarmung aus Backstein und Keramik. Entworfen wurde es vom Architekten Aníbal González für die Iberoamerikanische Ausstellung von 1929. Sevilla wollte sich damals der Welt präsentieren – mit einem Bauwerk, das spanische Architekturtraditionen aufgreift und zugleich die Verbundenheit Spaniens mit den Ländern Lateinamerikas zum Ausdruck bringt. Das Ergebnis ist ein imposantes Zusammenspiel aus Backstein, kunstvoll verzierten Geländern, Säulen und Mauern sowie farbenprächtigen Fliesen. Dabei verbindet die Architektur Elemente der Renaissance und des Barock mit dem damals populären Regionalismus, der traditionelle spanische Bauformen neu interpretierte. Es sollte eben nicht irgendein Ausstellungspavillon sein, sondern ein architektonisches Ausrufezeichen, das Sevillas Bedeutung als Tor zwischen Europa und der spanischsprachigen Welt unterstrich.

Entlang der Mauern erzählen die mit Azulejo-Keramik geschmückten Nischen Geschichten aus Spaniens Provinzen. Jede von ihnen ist einer spanischen Provinz gewidmet und mit kunstvollen Darstellungen historischer Ereignisse, Landkarten und Wappen ausgestattet. Für mich kommt aber noch dieser Hauch von Hollywood dazu – oder besser gesagt: die Geschichte einer weit, weit entfernten Galaxis. Denn wer heute durch die Arkaden der Plaza de España schlendert, wandelt zugleich auf den Spuren von Star Wars. Und das war auch eine meiner Motivationen, diesen Ort zu besuchen.

Im Jahr 2000 verwandelte Regisseur George Lucas Teile des Platzes für die Dreharbeiten zu "Episode II – Angriff der Klonkrieger" in eine Kulisse des Planeten Naboo. Dort, wo heute Besucher im Sonnenschein fotografieren und die Bögen bestaunen, spazierten einst Natalie Portman als Padmé Amidala und Hayden Christensen als Anakin Skywalker durch die prächtigen Galerien, begleitet von R2-D2. Im Film wurde der Platz zum Sinnbild einer eigentümlichen Welt voller Eleganz und Pracht. Die Plaza de España ist im Film allerdings nicht mal eine Minute lang zu sehen und wurde mithilfe von CGI um weitere Elemente ergänzt. Doch auch ohne computergenerierte Kulissen ist die Schönheit der Plaza filmreif. "Lawrence von Arabien" oder auch "Der Diktator" von Sacha Baron Cohen – wenn es um Pracht, Prunk oder Protz geht, sind Filmemacher hier genau richtig.

Im sonnigen Andalusien findet man nicht nur Motive für ferne Galaxien: Sevilla ist wie geschaffen für Filmproduktionen: Viele wunderbar erhaltene historische Gebäude, viele Grünflächen, viel Sonnenschein. In der Altstadt überlagern sich Spuren der Römer, der maurischen Herrschaft und des christlichen Spaniens. Man muss kein Filmfan sein, um sich hier in eine andere Welt versetzt zu fühlen. Doch Nerds kommen auch jenseits von Star Wars auf ihre Kosten.

Der Königspalast Alcázar etwa vereint unterschiedliche Baustile und Epochen. Maurisch geprägte Ornamentik, filigrane Stuckarbeiten und farbenprächtige Fliesen treffen hier auf christliche Baukunst. Die Produzenten von "Game of Thrones" wussten diese besondere Atmosphäre zu schätzen: Teile des Palastes dienten als Kulisse für die Wassergärten von Dorne. Tom Cruise und Cameron Diaz flitzten zudem in "Knight and Day" auf einem Motorrad durch die Straßen um die Ecke.

Trotz all der filmtauglichen Ecken in Sevilla: Als Star-Wars-Fan hat es mir vor allem die Magie der Plaza de España angetan. Zwischen den bunten Fliesen, den spiegelnden Wasserflächen und den majestätischen Arkaden verschwimmen die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Realität und Filmfantasie. Die Sonne taucht die Backstein-Fassaden in warmes Gold, irgendwo spielt ein Musiker, und hinter den Säulen suchen Besucher Schutz vor der Hitze. Manchmal braucht es wohl keine Reise in eine weit, weit entfernte Galaxis. Manchmal reicht ein Platz in Sevilla.

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