Abenteuer im Oman - Zelten in der Wüste Rub al-Khali

11.05.2016 12:24

Rub al-Khali nennt sie sich, die größte Sandwüste der Erde. Hier im Südwesten des Oman, hinter dem Städtchen Dawkah, beginnt der unwirtliche Landstrich, der sich nach Saudi-Arabien, Jemen und bis in die Vereinigten Arabischen Emirate erstreckt. Der Name der nur an ihren Rändern bewohnten Wüste bedeutet im arabischen „Leeres Viertel“. Doch leer ist die Rub al-Khali keineswegs - sie ist ein scheinbar endloses Sandmeer. Die riesigen Dünen türmen sich auf wie Pyramiden, bombastische Gebilde, von denen man kaum glauben kann, dass allein der Wind sie zu schroffen hohen Bergen aufgetürmt hat. In den Dünentälern ziehen sich vereinzelt die Schotterpisten durch, auf denen die derzeit noch relativ selten anzutreffenden Touristen mit ihren Jeeps kutschiert werden. Die Hauptstadt des Oman, Muscat, ist über 700 Kilometer entfernt – eine Reise in die Rub-al-Khali führt entlang der Schnellstraße, die Nord und Süd verbindet, an Sehenswürdigkeiten wie Ubar – dem Atlantis der Wüste – vorbei, dass erst 1992 entdeckt wurde.


In der Wüste Rub al-Khali im Oman. Foto: Wolfgang Bürkle
 

„Wer einmal die Wüste gesehen hat, den lässt sie nicht mehr los“, sagen die Araber. Schon der Wechsel der Farben im Sonnenlicht zieht den Betrachter in der unglaublich weiten Landschaft in seinen Bann – von hellem Gelb am Vormittag bis zu tiefdunklem Rot am Abend zeigt der feine Sand seine große Palette an Schattierungen. So beruhigend und gleichmäßig weht der leichte Wind den Sand permanent über die Dünenkämme, dass das gleichförmige Rauschen eine meditative Ruhe einkehren lässt.

Saif, der Jeepfahrer warnt: „Unterschätze die Wüste nicht.“ Die Wege und Dünen im omanischen Teil der Rub al-Khali kennt er gut. Und er erklärt, dass hier der Sand anders auf das Gewicht des großen Toyotas reagiert, als etwa in der Wahiba-Wüste im Osten des Oman. Seit Jahren kutschiert er regelmäßig Touristen durch das Sultanat, ein Einkommen, mit dem er seine Heirat finanzieren will. Gelegentlich telefoniert er per Handy mit seiner Freundin, geheim natürlich, er darf sie vor einer offiziellen Verlobung kaum sehen. Die muslimischen Traditionen werden akzeptiert, auch wenn das Land sich seit 1970, durch die unblutige Machtübernahme von Sultan Qabus ibn Said aus dem Mittelalter in die Neuzeit katapultiert hat. Sultan Qabus’ Vater hatte das Land gegenüber der Moderne abgeschottet, zum Missfallen seines Sohnes, der ihn wenige Jahre nach dem Fund von Ölvorkommen ins Exil schickte.  Das Land mit einer Fläche von etwas über 309.000 Quadratkilometer, etwas kleiner also als Deutschland, hat heute rund 4,4 Millionen Einwohner. Der Reichtum des Landes stammt hauptsächlich von Öl und Erdgas. Der Tourismus greift immer mehr Fuß: viele neue Hotels entstehen, Kreuzfahrtschiffe steuern Muscat im Norden und Salalah im Süden an.

In der Wüste Rub al-Khali im Oman. Foto: Wolfgang Bürkle

Saif spürt von diesem Reichtum nur wenig. In den Wintermonaten hat er die Touristen, die ihm Geld bringen – doch diese Einnahmen müssen ihn auch über den Sommer bringen. Denn wenn die Temperaturen in der heißen Jahreszeit teils über 50 Grad erreichen, treibt es fast keinen Besucher in die dann unerträgliche Hitze. Darum ist er froh, weiter bei seinen Eltern in der Nähe von Muscat zu wohnen. Für eine eigene Wohnung muss er erst noch viele Touristen über die Sandpyramiden in der Rub al-Khali bugsieren und ihnen die Sehenswürdigkeiten zeigen. Die Kinder der reichen Familien haben es besser: manche von ihnen erlauben sich den Spaß und fahren am Abend oder an Wochenenden mit ihren eigenen Jeeps, Motorrädern und Quads die Sanddünen im „Leeren Viertel“ hoch und runter, um schließlich auf einem Dünenkamm mit mitgebrachtem Holz ein kleines Feuer zu entzünden und den Sonnenuntergang bei einem Glas Tee zu bewundern.

In der Wüste Rub al-Khali im Oman. Foto: Wolfgang Bürkle

Auf einer der Schotterpisten durch die Dünen findet sich ein alter Laster, der vor Jahren dort liegen gelassen wurde und wie ein Mahnmal darauf hinweist, nie alleine durch die Wüste zu fahren. „Wenn Du stecken bleibst, dein Auto an einem Hang umkippt oder Wasser und Benzin zur Neige gehen, dann bist Du ohne Hilfe so gut wie tot“, klärt mich Saif auf. Er liebt es, die Dünen hoch und runter zu brausen, immer mit hohen Drehzahlen, das Lenkrad hin und her reißend, um das Gefühl des Driftens zu genießen. Seine Kollegen im Jeepkonvoi tun es ihm gleich, die wenigsten allerdings mit solcher Inbrunst, auch mit Rücksicht auf die Gäste, die, oft schon im fortgeschrittenen Alter, auf eine ruhigere Fahrweise pochen. Ein paar Dünen weiter treffen die Toyotas auf ein Dromedarskelett und schließlich auf Pumpen, aus denen Schwefelwasser tritt und das in einer großen Tränke für umherstreifende Dromedare bereit steht. „Fossiles Wasser“ sagt der Reiseführer dazu – den Dromedaren scheint der unerträgliche Gestank nichts auszumachen. 

In der Wüste Rub al-Khali im Oman. Foto: Wolfgang Bürkle
 
Durch ein Geodenfeld geht es in den Jeeps zur nächsten Zelt-Möglichkeit. Doch wer in der Wüste Komfort, sanitäre Anlagen oder ein Hotel erwartet, wird enttäuscht. Das Übernachten im Schatten der riesigen Dünen ist die Touristenattraktion, die nicht nur Abenteurer in das arabische Sultanat lockt, sondern auch den netten Beamten und die reiselustige Krankenschwester, die Urlaub abseits der normalen Pfade machen wollen. Im Oman ist Zelten in der freien Wildbahn erlaubt. Der Aufbau der Zelte geschieht routiniert, das Abendessen wird auf einem Gaskocher zubereitet, kühle Getränke gibt es aus der großen Thermo-Box, die vor der Abfahrt zu einem Drittel mit Eis gefüllt wurde. Am Lagerfeuer singen die Jeepfahrer traditionelle Lieder in ihrer altertümlichen Kluft, der Dishdasha, und lassen vergessen, dass der Sand bereits in alle Kleidungsfalten gekrochen ist und das nächste Waschbecken dutzende Kilometer entfernt ist.
 
In der Wüste Rub al-Khali im Oman. Foto: Wolfgang Bürkle
 
Besucht im März 2009. 
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