Namibia: Mit dem Kalahari-Ferrari durch die Wüste

24.10.2017 14:21

Unterwegs in Namibia. Foto: Wolfgang Bürkle

Riesige Steppen, kilometerlanges Ödland. Keine Menschenseele weit und breit, höchstens mal eine fliehende Eidechse, wuselnde Termiten oder ein paar Grashüpfer. Es ist nicht ungewöhnlich, in Namibia stundenlang außer Sand, Geröll und kleinen Büschen nichts und niemanden zu sehen. Wenn dann aus dem Nirgendwo eine der vielen Kutschen, die liebevoll "Kalahari-Ferrari" genannt werden, hinter einem dürren Busch hervor fuhrwerkt, fragt man sich erstens, warum das Ding noch nicht auseinander gefallen ist, zweitens, woher die Insassen kommen, drittens, wohin sie damit eigentlich in dieser weiten Wüste wollen. Fast immer sind die rustikalen Transportmittel selbst zusammengeschweisst, -gehämmert oder -gebunden, je nachdem, wie wohlhabend der Besitzer des Gefährts ist. Und natürlich werden sie von einem oder mehreren Eseln gezogen, über die Staubpisten und den rötlichen pulvrigen Steppensand hinweg. 

Unterwegs in Namibia. Foto: Wolfgang Bürkle

Die Familie, der wir aus Richtung Spitzkoppe kommend auf ihrem "Ferrari" begegnen, ist gerade auf dem Weg nach Khorixas, einer kleinen Stadt im Nordwesten von Namibia. Hier verschwimmen die Grenzen der Kalahari-Wüste zur Namib-Wüste. In Khorixas, der nächstgrößeren Stadt für die Familie, wollen sie ein paar Besorgungen machen, einige Lebensmittel kaufen. Alle paar Wochen machen sie sich auf den Weg dahin, von ihrer Wellblechhütte aus irgendwo im Hinterland, abseits der Hauptstraße, die auch nur eine Schotterpiste ist. Der Weg dauert gut zwei Stunden hin und zwei Stunden zurück - es wird also immer ein Tagesausflug. Kilometerangabe? Keine Ahnung. Aber sie hetzen nicht, wieso auch, langsam kommen sie genausogut an ihr Ziel. Und wenn sie neben der Hauptschotterpiste fahren, werden sie nicht so häufig von Jeeps angehupt und müssen zudem weniger aufgewirbelten Staub ertragen.

Unterwegs in Namibia. Foto: Wolfgang Bürkle

Wir wollen wissen, woher die Familie das Geld für ihre Besorgungen hat. Der Mann grinst, hofft natürlich, dass auch wir ihm etwas geben, sei es ein Dollar, ein Euro oder ein Müsliriegel. Irgendwie kommen sie schon über die Runden. Ab und zu arbeiten sie für einen der Großgrundbesitzer, erledigen Farmarbeit oder betätigen sich als Mechaniker, Klempner, Tourguide - was eben so anfallen kann. Manchmal verkaufen sie auch irgendwas von dem, was sie auf ihren kargen Feldern anbauen. Irgendwie reicht es immer zum Leben, nur eben nicht für Luxus. Wie so mancher Einheimische können sie sich nur darüber wundern, dass so viele Weißhäutige in ihr Land kommen, um sich die Tiere im Etosha-Nationalpark anzuschauen oder die Felszeichnungen von Twyfelfontein. "Fernsehen ist doch viel Interessanter", findet er - auch wenn er selbst keinen besitzt.

Unterwegs in Namibia. Foto: Wolfgang Bürkle

Wer hier einen Fernseher hat, ist ein reicher Mann, vermutlich auch irgendwie glücklich. Doch weil wir in diesem Moment glücklicher wären, wenn wir die teils bis zu 25.000 Jahre alten Felsbilder von Twyfelfontein sehen würden, machen wir uns wieder auf den Weg. Natürlich bekommt die Tochter noch ein Bonbon in die Hand gedrückt und der Vater, wie erhofft, einen Müsliriegel. Nach einem Händedruck schwingt er sich wieder auf seinen knarrenden Wüsten-Ferrari, nimmt die Zügel in die Hand, schnalzt mit der Zunge und die Esel bewegen sich langsam vorwärts. Weiter über den staubigen Schotter geht es, gemächlich bis zum Ziel. Und während die Familie entschleunigt durch die Kalahari rollt, beschleunigen wir wieder in unserem Allrad-Vehikel, dem nächsten Abenteuer entgegen. 

Unterwegs in Namibia. Foto: Wolfgang Bürkle

Besucht im Frühjahr 2008. 

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