Star Wars in Tunesien - Zuhause bei Luke Skywalker

16.09.2014 14:55

Ein merkwürdiges Gefühl: Ich stehe in Luke Skywalkers Zuhause. In demselben Zimmer wo er auch schon gestanden hat. Cool. Bereits als Kind wünschte ich mir, eines Tages einmal hier zu sein, auf dem fernen Planeten Tatooine, dieser unwirtlichen Wüstenwelt. In meinen Gedanken höre den vorwurfsvollen Tonfall von Onkel Owen gegenüber Luke, als ich mit meiner Hand über den Tisch in der unterirdischen Wohnhöhle streiche. Hier hat er gesessen, der Held meiner Kindheit, der Jediritter, Sohn von Darth Vader. Er reparierte hier seine Roboter und seinen X-34 Landspeeder, den er nach seiner Flucht mit Obi Wan Kenobi in Mos Eisley verkaufen musste. Hier stieß er auf die Nachricht von Prinzessin Leia. Hier nahm der Krieg der Sterne seine entscheidende Wende.

Das Hotel Sidi Driss in Matmata, Tunesien. Foto: Wolfgang Bürkle

Natürlich sieht nun alles etwas anders aus. Denn es ist gut 30 Jahre her, dass hier, im heutigen Hotel Sidi Driss im tunesischen Matmata, Teile des ersten "Star Wars"-Films gedreht wurden. Die großen Wohnhöhlen, die sich seit Generationen mehrere Meter unter der Erde ausbreiten, waren die Kulisse für das Heim von Luke, seinem Onkel Owen Lars und seiner Tante Beru auf dem fiktiven Wüstenplanten Tatooine mit seinen zwei Sonnen. Die Wände des Hotels sind noch teilweise weiß gestrichen, einige Requisiten aus den Filmen, darunter Türen, Lampen und Wandanbauten, sind für die Touristen ausgestellt. Die schwarz-ockerfarbene Bemalung der Decke im Esszimmer sieht so frisch aus, als sei der Film erst vor wenigen Monaten gedreht worden. Aber es ist eben ein einfaches Hotel - und kein einsames Wüstenhaus.

Wer die Filme kennt und denkt, dass Lukes Zuhause genauso aussieht wie auf Tatooine, der irrt. Denn oberhalb des heutigen Hotels ist keine in den Horizont reichende Wüstenlandschaft, sondern man sieht einige weitere Berber-Höhlen, aber vor allem hässliche Klotzhäuser, ein paar Palmen, Berge und einige topmoderne Hotels. Die flache und staubige Filmgegend um das Skywalker-Heim liegt allerdings gut 300 Kilometer weiter westlich, auf dem Chott el Djerid. So ein bisschen zerstört das die utopische Illusion, aber andererseits beeindruckt die Magie des Filmschnitts.  

Ein Lichtschwert. Foto: Wolfgang Bürkle

Gleichwohl lässt einen das eher karg eingerichtete Hotel mit den verschiedenen Wohn-, Koch- und Essenshöhlen immer noch den Star-Wars-Geist spüren. Natürlich sind es vor allem Fans der Filme, die zum Übernachten in dieses Hotel kommen, die sich die Requisiten und Fotos an den Wänden anschauen. Gemeinschaftsbäder, beengte Gruppenzimmer ohne großen Komfort - aber das ist in Anbetracht der Historie des sogenannten Troglodytenheims dem Besucher herzlich egal. Hauptsache George Lucas und Mark Hamill waren hier und begründeten den Mythos der Sternensaga. Und in einem richtigen Filmset zu übernachten, ist natürlich auch etwas Besonderes.

Einige der Touristen kommen auch, um Szenen aus den Filmen nachspielen. Sie mimen das heisere stoßartige Atmen von Darth Vader, schwingen ihre Plastik-Lichtschwerter, tragen vielleicht sogar einen Sturmtruppler-Helm. Teenagerfantasien werden Realität, Nerds haben Auslauf. Tunesien wird zu Tatooine. Sie entwickeln neue Filmszenarien, fotografieren sich in derselben Pose wie ihr Filmvorbild oder packen ein paar Figuren aus und lassen diese Stop-Motion-ähnlich gegeneinander kämpfen. Am Abend schließlich, wenn die Sonne hinter der hohen Felswand der Wohnhöhle verschwunden ist, dann treffen sich die müden Sternenkrieger auf einen Drink an der Bar, erzählen von ihren Abenteuern in einer Galaxie - weit, weit entfernt - und warten darauf, dass einer sagt: "Hey, die Sorte wird hier nicht bedient". Droiden müssen eben draußen bleiben.

Das Hotel Sidi Driss in Matmata, Tunesien. Foto: Wolfgang Bürkle
Besucht im Oktober 2005.

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